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Alois Kennerknecht

Interview mit Alois Kennerknecht, deutscher Agraringenieur, verheiratet mit María Túpac Yupanqui Safra aus Moyobamba. Mit zwei großen Problemen Perus setzt sich Alois in seinen täglichen Aktivitäten auseinander. Auf dem ersten Blick sind sie sehr unterschiedlich, sowohl von ihrer Eigenart als auch von ihrer Lokalisierung:

• die organischen Abfälle aus der Küche und Essensreste – enorme Mengen Müll, die sich in eine große Belästigung und Gefahr für die Gesundheit verwandeln können –,

• produktive Landwirtschaft im tropischen Regenwald, die der Umwelt keinen Schaden zufügt.

Alois, seit wann bist du in Peru?

In Peru bin ich seit Juli 1987.

Warum kamst du und warum bist du hier geblieben?

Ich kam als integrierter Experte – CIM Frankfurt – um bei der Rehabilitierung von Terrassen und Kanälen der präinkaischen Bewässerungsanlagen mitzuhelfen sowieAlois Kennerknecht – Casa Cor 2004, sandiges Grundstück bis 1993 bei der Verbesserung
der ländlichen Behausungen durch das Projekt PRATVIR (Proyecto de Rehabilitación Territorial y Vivienda Rural del Ministerio de Vivienda y Construcción). Aufgrund von Umweltproblemen (Müll und Abwasser) brach in diesen Jahren in Peru die Cholera sus. Durch die fortlaufenden Reisen, die meine Arbeit mit sich brachten, lernte ich große Teile Perus kennen. Überall fand ich das gleiche Umweltproblem und ich begann, eine Alternative zur geeigneten Lösung dieser Situation zu suchen. Dies war der Hauptgrund um in Peru zu bleiben und die Arbeit der Wiederverwendung mit eigenen ökonomischen Mitteln zu beginnen. 

Alois, wir befinden uns hier in Casa Cor. Was macht ein Agraringenieur in einer Ausstellung für Innenarchitektur?

Casa Cor ist auch eine Ausstellung für Außenräume und ich wurde eingeladen an Casa Cor 2003 und 2004 teilzunehmen. In diesem Jahr stelle ich Alois Kennerknecht – Casa Cor 2004, ökologischer Gartenzusammen mit meiner Frau die Gestaltung eines ökologischen Gartens mit Gemüse, Gewürz- und Heilkräutern sowie Fruchtbäumen vor: er wird von den Besuchern der Ausstellung als die Verbindung des Schönen mit dem Nützlichen bestaunt.

Wenn wir recht verstanden haben, ist deine Herausforderung die sandige Erde produktiv zu machen. Ist das so richtig?

Ja, das ist so. Das ist für mich eine Herausforderung. Außerdem ist es mein Ziel zu zeigen und in einer praktischen und greifbaren Form zu realisieren, dass irgendeine Erde zur Produktion von Nahrungsmitteln tauglich sein kann ohne chemischen Dünger zu verwenden – das zu nichts Taugliche, das Verachtete (den organischen Abfall) verwendend, speziell in einem Land mit hohem Anteil von Arbeitslosen, Unterernährung und zunehmender TBC. 

Im ökologischen Garten in Casa Cor hast du aus organischen Abfällen gewonnen Dünger zum Fruchtbarmachen der Erde verwendet. Kannst du uns das etwas näher erklären?

Der ökologische Garten in Casa Cor wurde mit dem Humus gedüngt, der das Ergebnis der Wiederverwendung der organischen Abfälle in den Ökosilos ist. Das Ökosilo-System besteht aus zwei tiefen Löchern in der Erde mit einem Zementring und zugehörendem Deckel am Oberteil. Man beginnt die organischen Abfälle in eines davon zu deponieren wo der natürliche und allmähliche Prozess der Umwandlung in Humus beginnt. So werden die organischen Abfälle fortlaufend deponiert bis das LochAlois Kennerknecht – Casa Cor 2004, Ziergarten voll ist. Danach beginnt in der gleichen Weise die Füllung des zweiten Ökosilos. Währenddessen vervollständigt sich der Prozess im ersten Ökosilo, der Humus ist erntereif und wird dann wieder neu gefüllt. Jeder Zyklus dauert etwa 6 Monate. 

Du hast diese Methode erfunden?

Ja, mit Hilfe meiner Frau bei den Funktionsanalysen des Ökosilo-Systems, wofür wir von INDECOPI das Patent erhielten. 

Was ist der Unterschied zu anderen Methoden zur Gewinnung von Kompost?

• Der geringe Platzbedarf (nur 1 m2) zum Installieren des Ökosilo-Systems.

• Man kann in ihm alle organischen Abfälle umformen, seien sie pflanzlichen oder tierischen Ursprungs.

• Die einfache Handhabung, nur Deponieren der organischen Abfälle.. 

Kann diese Methode in jedem Haus zur Verschönerung des Gartens angewendet werden?

Selbstverständlich, auch in Schulen, Gastwirtschaften, Krankenhäusern, usw. 

Die schlechten landwirtschaftlichen Methoden im Urwald von Madre de Dios haben deine Aufmerksamkeit erweckt. Mit welchem Projekt arbeitest du zum besseren Bewirtschaften der Erde zusammen?

Alois Kennerknecht – Leguminosen schützen die ErdeSeit 1997 berate ich das Projekt der Gesellschaft für Ökologische Landwirtschaft (Asociación de Agricultura Ecológica) in Puerto Maldonado (Madre de Dios) und seit 2000 erweitert sich meine Beratung in diesem Thema auch auf andere Teile des peruanischen Urwaldes. 

Welches sind die Probleme der Landwirtschaft in den Urwaldgebieten?

In erster Linie ist das die Brandrodung der Wälder zu landwirtschaftlichen Zwecken. Das Abbrennen verarmt den Boden und verunreinigt die Umwelt. Wegen fehlendem Schutz des Bodens verringert sich dessen Feuchtigkeit und die Bodenerosionen sind immer häufiger und stärker. Das stetige Abbrennen erschwert oder macht ein geeignetes Behandeln des land- und forstwirtschaftlichen Systems unmöglich. 

Habt ihr Lösungen für diese Probleme gefunden?

Ja, mit der Bedeckung des Bodens (Hülsenfrüchte). Diese schützen den Boden, verringern das Unkraut, tragen zur Feuchtigkeit des Bodens bei, produzieren Viehfutter und grünen Dünger zurAlois Kennerknecht mit einem Bauer aus dem Urwald am Fluss Madre de Dios Verbesserung des Bodens. Mucuna und Kudzu sind die Favoriten unter den Hülsenfrüchten. Wegen ihrer Funktion der Unkrautkontrolle nennen sie die Bauern Machete verde (grünes Haumesser). Die Bauern installieren heute zu ihrem eigenen mittel- und langfristigen Nutzen land- und forstwirtschaftliche Systeme zum Schutz des Waldes. 

Wie werden die Ergebnisse dieser Arbeit weiter verbreitet?

Austausch der Erfahrungen und des Wissens der Landwirte zwischen Landwirten und für Landwirte. 

Wie ist die Reaktion bei den Landwirten und der Bevölkerung im allgemeinen?

Es gibt immer mehr Bauern, die Landwirtschaft ohne Abbrennen und ohne Chemikalien praktizieren. Die Bevölkerung im allgemeinen erfreut sich heutzutage einer Vielzahl von frischen Alois Kennerknecht – von Leguminosen geschützte ErdeFruchtsäften, die es zuvor nicht gab. 

Gibt es eine Übertragung der Erfahrungen für andere Stellen?

Das gleiche Konzept wurde in verschiedenen anderen Stellen des peruanischen Urwaldes eingeführt, ebenso wurden unsere Landwirte in Perú, Bolivien und Brasilien eingeladen, um den Bauern
dieser Gegenden die Techniken der ökologischen Landwirtschaft zu erklären, so wie aufgrund der im Projekt Ökologische Landwirtschaft in Puerto Maldonado gewonnen Erfahrungen gearbeitet wird. Um die Verbreitung der ökologischen Landwirtschaft zu fördern wurde 3 km von Puerto Maldonado entfernt ein Ökozentrum errichtet. Hier sollen Landwirte, Ingenieure, Techniker und Touristenführer zur Ausbildung zusammenfinden und um Erfahrungen zum Schutz des Regenwaldes durch eine rentable und ökologisch verantwortungsvolle Landwirtschaft auszutauschen. 

Was fasziniert dich am meisten in Peru?

Der Reichtum und die Herausforderungen der Natur mit den Möglichkeiten, sie zum Wohl der Bevölkerung bei gleichzeitigem Schutz und Verbesserung der Umwelt zu nutzen. 

Für beide Probleme hat Alois Lösungen gefunden, die durch Einfachheit, geringe Kosten, Effektivität, Rentabilität und Schutz der Umwelt bestechen. Haben das millionenschwere Investitionen in Forschungsarbeiten möglich gemacht? Nein – als Einzelgänger mit seinem schöpferischen Sinn, mit wenig Mitteln und einigen wenigen Freunden! Welche Möglichkeiten lassen staatliche Institutionen und Entwicklungsorganisationen wegen fehlender Unterstützung in Verbreitung und praktischer Umsetzung dieser Lösungen großer Probleme ungenutzt! 

Laura und Erwin Dopf

Fotos: Alois Kennerknecht